Umweltschützer, Bio-Landwirte und bäuerliche Familienbetriebe in Deutschland aber sind empört über die Nominierung von Udo Folgart ins Steinmeiers Kompetenzteams. Der 51-jährige, der einen der ostdeutschlandtypischen Groß-Agrarbetrieb leitete und dort heute im Aufsichtsrat sitzt, hat sich wiederholt für eine weitere Industrialisierung der Landwirtschaft und für grüne Gentechnik ausgesprochen. Damit steht er nicht nur im Widerspruch zu vielen Verbrauchern – sondern auch zum SPD-Wahlprogramm. Und: Folgart gilt als einer der typischen Agrarlobbyisten, die bei Regen, Flut und bei Sonnenschein Dürrehilfen verlangen. Folgart schaffte es als Präsident der Milchbauern im Deutschen Bauernverband nach den bundesweiten Streiks der Milchbauern gegen die angesichts des Überangebots am Markt stetig sinkenden Milchpreise, doch für die Erhöhung der Milchquote zu stimmen. Der Effekt: Die Milchmenge steigt weiter, die Preise sind weiter gefallen, den Milchbauern geht es schlechter als vor dem Ausstand. „Folgart ist ein Vertreter der wirtschafts- und gentechnikfreundlichen Lobby“, sagt Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. „Er will weder eine Landwirtschaft, die näher am Verbraucher ist, noch eine, die näher an der Umwelt ist.“ Die Gentechnik-Expertin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Heike Moldenhauer, sieht das ähnlich. „Die SPD hat mit Folgart die rückwärtsgewandteste Wahl getroffen, die man sich vorstellen konnte“, sagt sie. Folgart vertrete Positionen, die sie bei der SPD längst überwunden glaubte. Nicht nur beim Thema Gentechnik gibt es Kritik. Auch viele kleine Landwirte und Biobauern sind irritiert von der Personalwahl der SPD. Denn vom Bauernverband, dem Folgart angehört, haben sich zuletzt viele Landwirte und besonders die Familienbetriebe abgewandt. Vor allem kleinere Bauern fürchten, im globalen Wettbewerb bald keine Chance mehr zu haben – und wollen stärker auf den Schutz von Umwelt und Natur setzen.